schönes, reichlich bebildertes Buch mit konkreten Anleitungen und ganz viel Inspiration….

Mac MCMurdo: Zweite Chance für Kellerfunde

Landwirtschaftsverlag Münster, ISBN 9783784355399


Der Autor Max McMurdo arbeitet als britischer Designer mit eigener Upcyclingfirma ( Reestore) und Fernsehsendung, in der er eigene Design-Projekte vorstellt, beispielsweise einen Schreibtisch aus Flugzeugteilen. Im Buch wird deutlich, dass er auch Auftragsarbeiten in Serie durchführt, wie 300 Wannen-Stühle aus alten Badewannen.

Nach seiner Einführung in die Grundlagen des Upcyclen, in denen er unter anderem auf gute Qualität beim Ausgangsmaterial setzt ( also keine Spanplatten!), stellt er 20 Upcycling-Projekte
vor, deren Arbeitsschritte er schrittweise erklärt, ergänzt durch reichlich Fotos, die die einzelnen Arbeitsschritte aufzeigen. Die einzelnen Anleitungen finde ich ausgesprochen gut gelungen und leicht verständlich, also perfekt um die einzelnen Arbeitsprozesse nachzuvollziehen und evtl. nachzuarbeiten.

Unterteilt in die Kapitel: Möbel, Stauraum & Deko, Licht und Accesoires sowie Werkzeug & Techniken erhält man viele Beispiele, Anregungen, Anleitungen und jede Menge Tipps und Tricks – nicht nur zur Verarbeitung, sondern auch zur Materialbeschaffung.
Sehr gut gefällt mir die Anleitung zum Auseinandernehmen der Paletten und auch die Tipps, wo man diese günstig oder vielleicht auch kostenlos erhalten kann. Allerdings fehlt mir in diesem Zusammenhang schon der Hinweis, dass die Paletten wegen ihrer kurzen Nutungsdauer meist nicht gegen holzfressende Schädlinge behandelt wurden und man sich mit diesen Paletten auch eine Überraschung oder Gefahr für seine restlichen Holzmöbel mit einschleppen kann.

Unter den vorgestellten Projekten befinden sich unter anderem Couchtische, Sitzgelegenheiten, Regale, Lampen; mein Favorit ist der Schubkarrensessel mit Kunstrasenpolster. Gerade die verschiedenen Materialien und Techniken bieten eine große Vielfalt so dass man, auch wenn man die Werkstücke nicht wirklich nacharbeiten möchte, jede Menge Inspiration für eigene Upcycle-Stücke erhält. Die Tricks und Techniken zum Ende des Buches bieten auch jede Menge Hilfe um eigene Projekte fertigzustellen.

 

5/5 *****

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verschiedene Aspekte fundiert und sehr humorvoll durchleuchtet

Barbara Ehrenreich: Wollen wir ewig leben?

Kunstmann, ISBN 9783956142345


Barbara Ehrenreich hat sich in zwölf Kapiteln mit unterschiedlichem Schwerpunkten dem Altern samt unterschiedlichen Strategien und Mitteln möglichst alt zu werden, auseinandergesetzt.
Zum einen durchleuchtet sie, welche Kontrolle wir dafür ausüben und wie sinnvoll das alles ist, z.B. die mittlerweile häufig diskutierten Vorsorgeuntersuchungen, bei denen entdeckte Ergebnisse Operationen nach sich ziehen, obwohl in den meisten Fällen die mögliche Erkrankung das Leben eher nicht verkürzt hätte, vielleicht noch nicht einmal in bedrohlichem Maße ausgebrochen wäre ( beispielsweise bei Brustkrebs- oder Prostatavorsorge). Zudem beschreibt sie modische Zwänge, denen man sich der Gesundheit und des langen Lebens willen unterwirft, obwohl die Wirkung nicht belegt ist, sei es unter anderem durch Fitnesskultur, neueste Ernährungstrends, die neue Achtsamkeit.
Barbara Ehrenreich betrachtet nicht nur die Aspekte des Alterns, sondern zeigt auch eine andere Sichtweise gegenüber Krankheiten, Abnutzungserscheinungen und Entzündungsaltern auf, in der der Körper sich langsam selber bekämpft und dem Ende zuführt. Besonders interessant fand ich in diesem Zusammenhang auch Ihre ausführlichen Erläuterungen einiger der vielfältigen Wirkungsweisen von Makrophagen sowie paradoxen Effekten bei Immunzellen.

Sowohl ihren Schreibstil als auch ihren feinen, manchmal auch recht bissigen aber niemals plumpen Humor habe ich genossen; selbst sehr ernste Themen und Aspekte hat sie für den Leser so als fast leichte Kost dargeboten. Die vielen verschiedenen Aspekte hat sie abwechslungsreich dargestellt; gerade dieser Wechsel zwischen anspruchsvollem Sachtext, humorvoller Darstellung und Auseinandersetzung mit verschiedenen Texten, beispielsweise von alten Philosophen, fand ich äußerst ansprechend und fesselnd.

5/5 *****

intensiv, tiefgründig und bewegend – – meine absolute Leseempfehlung

Madeleine Thien: Flüchtige Seelen

btb, ISBN 9783442715763


Janie arbeitet als Neurologin in Montreal; als ihr Freund, Mentor und Arbeitskollege Hiroji plötzlich verschwindet, macht sie sich auf die Suche nach ihm und ihrer eigenen Vergangenheit.
Beide haben während der Revolution der Roten Khmer ihren Bruder verloren, aus ihren Augen, aber nicht aus ihrem Leben. Immer wieder haben sie in den Gesichtszügen anderer, in Träumen oder Erinnerungen den Bruder erkannt und schmerzlich vermißt.
Herojis Bruder war damals als Arzt mit dem Roten Kreuz in Kambodscha, Janie, die damals Mei hieß und als Kind zu einer Pflegefamilie in die USA verschifft wurde, hat eigene Erinnerungen an diese Zeit.

Madeleine Thien erzählt in ihrem Roman „Flüchtige Seelen“ diese Erinnerungen aus verschiedenen Perspektiven, von unterschiedlichen Leuten, vom Vertreiben aus der Heimatstadt, den Erziehung-, Schulungs- und Arbeitslagern, Befragungen durch das „Amt für Sicherheit“, Hinrichtungen, von Kindersoldaten und der Ohnmacht, selber in dieser Situation etwas zu verändern, davon, wie man mit Hunger verzweifelt versucht, zu überleben – wenn es nicht anders geht, Morde begeht um sich selber zu retten, das langsame Abstumpfen bis zur Aufgabe der eigenen Identität, denn bei den wiederholten Befragungen nach dem Lebenslauf, war es überlebenshilfreich, sich eine neue Identität auszudenken, vorzugsweise als Vollwaise.

Ganz ohne reißerische, blutige Szenen, sondern eher poetisch, immer wieder mit vielen wunderschönen, tiefsinnigen Sätzen beschreibt die Autorin, wie die politische Säuberung unter Pol Pot die Menschen in Kambodscha verändert hat, wie sie damals die Dinge sahen und mit den Folgen umgehen. Sehr interssant fand ich die Frage der Betroffenen, wieviele Leben sie gelebt haben und das Problem, die eigene Identität zu begreifen und ohne Schuldgefühle weiterzuleben, nicht nur wegen eigener Taten, sondern auch wegen des Gefühls, die Familie zurückgelassen zu haben, wenn man gerettet und in Sicherheit war. Die Beschreibungen der Träume und Sichtweisen, dass die Vermissten endlos in uns weiterleben, dass man die Vergangenheit loslassen muß um weiterleben zu können, dass je weiter man flieht, der Heimweg umso länger wird, haben mich sehr beeindruckt, genauso wie die Beschreibungen der Versuche danach Normalität herzustellen, beispielsweise mit zusammengefundenen neuen Familien.

Ganz leise, durch kleine Szenen, häufig auch einfach zwischen den Zeilen, erzählt Madeleine Thien eine zeitlose Geschichte über eine Revolution, die ursprünglich eine bessere Welt für alle im entsprechenden Land bringen sollte, den wütenden Krieg samt Massenvernichtung und seiner Folgen auch für spätere Generationen; ein Thema, das eigentlich immer aktuell ist und sehr zum Nachlesen und -denken auffordert. Das Buch ist so fesselnd geschrieben, dass man es kaum aus der Hand legen möchte – und doch mußte ich es zwischendurch, um mich online über Einzelheiten weitergehend zu informieren.

Für mich war dieses ein ganz besonderes Buch, dem ich, wenn die Möglichkeit bestünde, mehr als fünf Sterne geben würde.

>5/5 *****

interessante Geschichte spannend erzählt

Maja Lunde: Die Geschichte des Wassers

btb, ISBN 9783442757749


Bei „Die Geschichte des Wassers“ handelt es sich um den zweiten Teil des „Klima-Quartetts“ von Maja Lunde.

In kurzen Abschnitten und schnellen Wechseln werden zwei Geschichten erzählt, die im Zusammenhang stehen:

Norwegen 2017: Die 67jährige Umweltaktivistin Signe „beschlagnahmt“ von einem ankernden Transportschiff Kisten mit abgeschlagenem, hundertjährigem Eis, das teuer an gutzahlende Kunden zum Aufpeppen ihrer Drinks weltweit bestmöglich verkauft werden soll. Diese Kisten bringt sie an Bord ihres Segelschiffes, der „Blau“ und macht sich auf den Weg zur französischen Küste, zu ihrer früheren großen Liebe. Während ihrer Fahrt dorthin erfährt der Leser Erlebnisse ihres Lebens, von ihrer eigenen Kindheit an, von ihren Eltern und deren Weltsicht und auch von den Bemühungen ihres Vaters, die Natur ihrer Heimat zu retten samt ihrer Entwicklung….

Frankreich 2041: Der ungefähr 25jährige David flüchtet mit seiner Tochter Lou vor einem großen Brand im Jahre 5 der großen Dürre. Unterwegs haben sie Frau bzw. Mutter Anna samt dem Baby August verloren und hoffen auf ein Wiedertreffen im Auffanglager. Bei einem Streifzug durch die Gegend finden sie die gut geschütze „Blau“ und hoffen, damit nach ausgiebigem Regen in eine bessere Zukunft segeln zu können.

Die Darstellungen der beiden Erzählstränge fand ich sehr gelungen; sowohl die Demonstrationen und unterschiedlichen Ansichten zum Naturschutz und Nutzen des Wassers um ein Wasserkraftwerk anzutreiben samt der damit verbundenen Auseinandersetzungen als auch die Beschreibungen im Auffanglager sowie die Folgen des Wassermangels, der bereits zu Kriegen führte, wurde sehr interessant und schlüssig dargestellt. Vieles wurde davon auch einfach nur angedeutet und zwischen den Zeilen erzählt; der Leser kann Details seiner Phantasie überlassen.

Mich haben beide Erzählstränge gefesselt, die ich spannend und durchdacht fand. Ganz besonders die jeweils kurzen Abschnitte und schnelle Wechsel lassen einen beim Lesen das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen.
Mich hatte „Die Geschichte der Bienen“ schon sehr beeindruckt und ich habe diesen zweiten Band mit Spannung erwartet, Sehr beeindruckend setzt sich Maja Lunde damit auseinander, wie wir die Welt späteren Generationen hinterlassen, welche Verantwortung wir tragen. Sie durchleuchtet unter welchen Bedingungen man für Wachstum oder für Widerstand stehen kann. Sehr beeindruckend fand ich auch die Darstellungen der verschiedenen Situationen in denen einzelne einen Verrat verübt haben und wozu dieses führte.

Insgesamt hat die Autorin ein dringliches Thema sehr interessant, spannend und unterhaltsam aufbereitet und ich hoffe, sie läßt uns nicht allzu lange auf den dritten Teil ihres Quartetts warten.

 

5/5

anders als erwartet, insgesamt recht unterhaltsam und salopp

Jörn Höpfner: Sag mir, was du kaufst, und ich sag dir, wer du bist

Goldmann, ISBN 9783442177066


Nachdem der Soziologe Jörn Hofer bei einem Slam sechs Milieus anhand von Mitreisenden in einer Regionalbahn erklärte, kam ihm die Idee zu diesem Buch, in dem er soziale Milieus anhand von Einkaufenden inm Supermarkt aufzeigt. Angereicherd wird dieses durch zwei etwas erklärende Kapitel sowie der Einführung, dass man verschiedene Zeichen erkennen, kombinieren und empathisch auswerten sollte um sich ein Gesamtbild zu erschaffen.

Bei den unterschiedlichen vorgestellten Kunden samt der Füllung ihrer Einkaufskörbe handelt es sich um einen Mix aus Paradebeispielen an Klischees, beispielsweise die Mutter, die nur Sonderangebote kauft, ein Uralthandy aus den 80ern benutzt und insgesamt zur bürgerlichen Mitte gehört oder der Neonazi, der sein Bier in schwarz-rot-goldener Dose samt Knackwürsten und Pumpernickel kauft und mit der EC-Karte der Deutschen Bank bezahlt….

Insgesamt fiel der Inhalt des Buches ganz anders aus als ich erwartet habe, hat mich aber dennoch ganz gut unterhalten, obwohl manche Passagen schon etwas langgezogen daherkamen. Einzelne Begriffe der Einführung in die Soziologie wurden erklärt, wobei der Autor auf Fachausdrücke weitgehendst verzichtet hat. Der Sprachgebrauch fällt ausgesprochen salopp aus, meist recht witzig, manchmal wirkt es aber auch schon ein wenig krampfhaft lustig; es ist kurzweilige, leichte und schnell lesbare Kost.

 

4/5 ****

informativ und hilfreich

Sigrid Engelbrecht & Michael Linden: Lass los!

ecowin, ISBN 9783711001382


Sigrid Engelbrecht und Michael Linden durchleuchten, wie uns Enttäuschung, Kränkung, Verlust, ungerechter Behandlung und anderen Grenzüberschreitungen, die jedem widerfahren, verbittert werden lassen und welche Wege es aus dieser Situation heraus gibt.
Da wir unterschiedlich reagieren und verinnerlichen, variieren auch die eigenen Strategien oder die Notwendigkeit, sich professionelle Hilfe zu holen um sich von dem erlebten Geschehen lösen zu können und die innere Balance wieder gewinnen zu können.

Die Autoren erläutern anhand verschiedener Fallbeispiele, literarischer Vorlagen, Auszügen aus Märchen oder der Bibel, lassen Philosophen zu Wort kommen und zitieren beispielsweise einen Songtext ( „Living well is the best revange“ R.E.M.) oder einen Ausspruch Kaiser Friedrich III, der auch in der Fledermaus aufgegriffen wurde („Glücklich ist, wer vergißt“…) einzelne Stufen, eigene Sicht- und Handlungsstrategien um sich zu befreien, Ängste oder Rachegefühle loszulassen. Um seine eigene Position zu erkennen, gibt es zwei Tests; viele Merksätze und Zusammenfassungen werden durch grauen Hintergrund besonders hervorgehoben.

Die Vielseitigkeit in dieser Darstellung hat mir ausgesprochen gut gefallen; alle Erklärungen und die Vermittlung von Fachwissen erfolgen leicht verständlich, zum Teil recht salopp formuliert und sind sehr angenehm und zügig lesbar. Viele wunderbar formulierte Merksätze haben das Zeug, als Mantra ( z.B.: „Jeder Gedanke an“ X „ist zuviel der Ehre.“) zu helfen und andere Sätze geben gute Impulse um sein Denken umzugestalten.
So haben mir insbesondere Anregungen wie „Haben wir ein Recht darauf, dass Dritte nur Anforderungen an uns stellen, die wir auch bewältigen können?“ gefallen, denn sie beschreiben eindeutig, dass jeder an seiner Toleranz anderen Äußerungen gegenüber arbeiten kann und eine Prophylaxe gegen das Gefühl von Kränkungen möglich ist. Außerdem erhält man Erklärungen und Anleitungen, wie man vergeben kann, im Sinne von einen Schlußstrich ziehen und so sich selber nicht mit Groll das Leben erschwert, wie man sich ohne Betroffenheit erinnern, seine innere Balance wiedergewinnen und sich auf gegenwärtige Chancen und Möglichkeiten konzentrieren kann, sowohl als Individuum als auch als Gesellschaft.

Das Buch erklärt sehr detailliert die Mechanismen, die in die Verbitterung führen und weist den Weg, um sich aus dieser zu befreien.

 

5/5 *****

too much – verschreckt mich eher als dass es mich zu begeistern vermag

Manuela Kaplan: Man wohnt nur mit dem Herzen gut

callwey, ISBN 9783766723222


In diesem Buch stellen fünf eifrige Flohmarktgängerinnen ihre gesammelten und weiß angestrichenen Werke vor, wobei sich jede von ihnen nach eigenen Angaben einem anderen Shabby-Chic-Stil zugehörig fühlt: rustikal-romantisch, elegant, barock, französisch-skandinavisch oder verschnörkelt. Vieles entdeckt man bei allen wieder und außer, dass vielleicht beim romantischen Stil ein paar Häkeldeckchen mehr aufgelegt wurden, konnte ich keine wirklich großen Unterschiede finden. Zudem berichten sie von ihrer Sammelleidenschaft, die sich stetig verändert ( „Ich durchlief im Laufe der Jahre nahezu alle angesagten Stilrichtungen“ S.6), je nachdem, was gerade in ist, also offensichtlich alle toll finden. Das hat für mich nicht ganz so viel mit eigenem Geschmack und Stil zu tun, aber das kann man ja auch anders sehen… immer wieder finden sich Blasen mit Tipps zum Sammeln, Umgestalten und Plazieren der Schätze. Da wird beispielsweise ein 20 Jahre alter Röhrenfernseher shabbychic „versteckt“, indem die Mauer aufgestemmt wurde und das Hinterteil des Fernsehers im Nachbarraum heraushängt ( ich vermute, darüber wird ein weißer Schrank gestülpt, damit es nicht so stört). Der „Rahmen des eingelassenen Fernsehers wird weiß gestrichen und eine verschnörkelte Leiste obendrüber geklebt.

Wie schon erwähnt, wird in jedem der unterschiedlichen Stile gesammelt, was das Zeug hält und in jede (noch) freie Ecke gestellt, nachdem es weiß gestrichen wurde. Alte Fenster auf der Fensterbank, an das Fenster angelehnt, jede Menge Dekoschränke gefüllt mit Dekoartikeln, menschengroße Schneiderbüsten / Puppen, die alte Kleider tragen, eine neben der Toilette an die Wand gelehnte Tür, auf die der Toilettenpapierrollenhalter montiert wurde, an den Wänden kaum ein freier Platz, alles vollgehängt und vollgestellt. Vieles wirkt auf mich äußerst krampfhaft; es muß partout irgendein alter Flohmarktfund zweckentfremdet extrem originell ausgestellt werden; sei es ein montierter Fleischwolf, in den eine Stumpenkerze gestellt wurde oder eine Lampe, die als Deko einfach so in einem Blumenkübel gestopft wurde

Ich kenne keine der vorgestellten Shabby-Chic und DIY Darstellerinnen von Instagram oder ihrem Blog. Bislang war ich davon überzeugt, dass mir Shabbychic gefällt, stelle nach Durchsicht dieses Buches fest, dass ich da ein ganz anderes Verständnis als die Autorinnen habe: Ich selber mag schöne, alte Sachen, denen man ihr Alter auch ruhig ansehen darf. Mich stört es nicht, wenn da mal etwas Lack abgeblättert ist und ich käme nie auf die Idee, alles, was in der Wohnung steht, weiß überzutünchen, damit alles so herrlich zusammenpaßt. Zudem mag ich es, wenn einzelne, schöne Stücke besonders dekorativ in Szene gestzt werden, viel Freifläche besteht und nicht Staubfänger meinen Lebensraum okkupieren. Ich muß gestehen, für mich grenzt das alles eher an zugestellte Rumpelkammern in Weiß als an schön dekorierte Räume, in denen man leben könnte. Mich schreckt das, was ich zu sehen bekomme eher ab, als dass es mich in seinen Bann zieht und mir spukt die ganze Zeit beim Durchblättern ein Lied von Georg Danzer im Kopf herum und, würde mein Zuhause so aussehen, würde ich auch nach dem Notausgang fragen.

Das Buch wurde sehr aufwändig gestaltet und zahlreiche professionelle Fotos vermitteln ein detailliertes Bild des vorgestellten Shabby-Chics. Am Ende des Buches finden sich fünf Shabby-Kuchenrezepte ( z.B. eine Bisquitrolle) sowie Shabby-Chic-Adressen ( Flohmärkte und Geschäfte).
Dennoch konnte mich das Buch trotz seiner hochwertigen Aufmachung und Gestaltung nicht in seinen Bann ziehen.
Für mich ist das gezeigte Sammelsurium viel zu viel, die Fotos sind Wimmelbilder für Erwachsene mit Hang zum Ansammeln weißer Sachen. Was ich sehe, inspiriert mich nicht, sondern schreckt mich eher ab. Aber zum Glück sind die Geschmächer da ja ganz unterschiedlich….

 

2/5 **