hatte aufgrund gelesener Rezensionen höhere Erwartungen

Lukas Holliger: Das kürzere Leben des Klaus Halm

Zytglogge, ISBN 9783729609495


 

Ein ehemaliger Filmvorführer, mittlerweile arbeitslos, verläßt seine Wohnung in Basel eigentlich nur für Besuche des Arbeitsamtes und Fahrten mit der Tram. Diese geniesst er und entkommt dabei auch seiner Einsamkeit, beobachtet die Mitfahrenden, denkt sich Namen und Leben für diese aus. Einen davon nennt er Klaus Halm und für ihn läßt er sich eine kurze Lebensgeschichte einfallen;immer mehr Gefallen findet er daran und schreibt seine Phantasien in ein kleines Heft und verliert sich letztendlich in seiner geschaffenen Parallelwelt.

Lukas Hollinger läßt seinen namenlosen Erzähler sowohl Alltägliches beobachten als auch sehr Skurriles und eine eigene Geschichte entwickelt, manchmal mit variierenden Passagen, manchmal etwas schrill, ein anderes mal ziemlich spießig.

Zu Beginn hat mich die Beschreibung um den Filmvorführer stark an den älteren Herrn aus der Erzählung „Ein Tisch ist ein Tisch“ erinnert, da beide unter ihrer Einsamkeit leiden und einen speziellen, ganz eigenen Weg daraus kreieren.
Lukas Hollinger legt ihm zwischendurch so wunderbare Sätze, Wortspiele Humor und Wortwitz in den Mund, die beim Lesen Eindruck hinterlassen, z.B. „Einsamkeit“ sei „etwa so schädlich wie Rauchen oder Fettsucht“ ( S. 12) oder „Meine Freiheit scheitert an meiner Einsamkeit“ ( S. 16) oder „Niemand hat das Recht zu gehorchen.“ ( S.53).

Des Filmvorführers geschaffene Traumwelt um das Leben des Klaus Halm wird durch die äußerst detailreichen Beschreibungen sehr gut vermittelt, die mir allerdings manchesmal auch etwas zu ausgedehnt waren. Nachdem ich andere, allesamt ähnlich lautende Rezensionen auf verschiedenen Seiten gelesen habe, die voll des Lobes und der strikten Betonung benötigten Verstandes oder Hirnschmalzes waren, hatte ich vielleicht zu hohe Erwartungen an das Buch gestellt. Obwohl der Roman ganz nett zu lesen war, konnte er mich nicht allzu tief berühren.

 

3/5 ***

Antworten auf die häufigsten Fragen

Ruediger Dahlke: Vegan! Ist das ansteckend?

Königsfurth-Urania, ISBN 9783868261554


Rüdiger Dahlke hat in diesem 131 Seiten starken Buch, unterteilt in verschiedene Kapitel, die häufigsten Fragen zur veganen Ernährung beantwortet, z.B. zu befürchteten Mangelerscheinungen, Schwangerschaft, Kinderernährung, heilene Wirkung bei diversen Krankheiten und auch zum respektvollen Umgang mit Nichtveganern. Erwähnenswert finde ich dabei die Erkenntnis und Warnung an Bekehrer, dass sie dabei nicht radikal vorgehen sollen. Überrascht haben mich dann allerdings seine Schilderungen darüber, wie er im Bekanntenkreis oder Restaurants meinem Empfinden nach genau dieses nicht selber beherzigt.

In den Antworten finden sich neben geäußertem Fachwissen auch Schilderungen persönlicher Erfahrungen und Erlebnisse sowie Querverweise und Werbung für jede Menge seiner Bücher und sein Angebot an einwöchigen Fastenkursen. Zum Ende des Buches gibt es auch noch eine seitenlange Zusammenfassung von weiteren „Veröffentlichungen und Co. Von Ruediger Dahlke (Auswahl)“ , platzsparend im Fließtext abgedruckt. Mir ist das etwas zu viel der Eigenwerbung, aber wahrscheinlich wird es viele Leser ansprechen – muß man wohl als Chance für beide Seiten sehen….

Insgesamt werden die aufgeführten Fragen gut verständlich beantwortet, gleichermassen interessant für Neueinsteiger und Praktizierende, die umfangreicher Überzeugungsarbeit leisten wollen und gut vorformulierte Antworten suchen.

4/5 ****

spannender Roman über Macht, Gewalt, Kontrolle, den Umgang damit und die Angst davor

Graham Gardner: Im Schatten der Wächter

Verlag Freies Geistesleben, ISBN 9783772528361

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Nachdem Elliot an seiner Schule immer wieder Opfer von Gewalt wird und sich daran nichts ändern wird, setzt ihre Mutter ihren Plan für einen Neuanfang in die Tat um: Die Familie zieht um und Elliot muß die Schule wechseln und beschließt dort vom ersten Augenblick an, alles anders machen. Er legt sich ein neues Image zu, kontrolliert jeden seiner Gedanken und seine Wirkung auf andere und ist weit davon entfernt, in die Opferrolle zu geraten – ganz im Gegenteil, denn die subtil machtausübende Gruppierung der „Wächter“ hat ihn beoabachtet und schult ihn für eine baldige Mitgliedschaft. Elliot befreundet sich mit einem der regelmäßigen „Opfer“, was von den Wächtern nicht wahrgenommen werden darf. Auch deshalb muß er in immer mehr Rollen schlüpfen, wechselnde Masken aufsetzen und weiß bald selber nicht mehr, wer er nun tatsächlich ist. Hinzu kommen erschwerte Bedingungen zu Hause, da sein Vater stark unter Depressionen leidet und seine Mutter alle Aufgaben alleine bewältigen muß…

Immer wieder erscheinen Zitate oder Beschreibungen aus Orwells 1984, die in Elliots Geschichte aufleben und miteinfließen. Sehr tiefgründig, detail- und stimmungsreich erzählt Gardner eine spannende Geschichte um Ängste, Gewalt , Kontrolle und Macht, darüber, wie weit man geht um nicht zu den Opfern sondern zur anderen Seite zu gehören und, wie einzelne damit umgehen.

Ein beeindruckender Jugendroman, der für Erwachsene genauso spannend sein wird.

 

5/5 ***

ganz nett gemacht, bietet aber weniger Neues als gedacht

Tanja Berlin: Frühling, Sommer, Äpfel, Winter

Verlag Freies Geistesleben, ISBN 9783772528255

143 S., 19,90E.

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Tanja Berlin stellt in diesem Buch im Jahresverlauf Rezepte, Basteleien und andere Anregungen vor. Mir war vor dem Lesen nicht bewußt, dass es sich bei der Autorin um eine Bloggerin handelt, die einen kreativen Familienblog betreibt und hier einige ihrer Ideen als Buch zusammengestellt hat.

Nach Jahreszeiten-Kapiteln geordnet finden sich so z.B. für den Frühling ein Fliegenpilzhocker, bei dem man die Oberseite eines Baumstumpfes rot mit weißen Punkten anmalt, beim Malen mit Naturpinseln, Ähren oder Grasbüschel zu Pinseln bindet, Kräuter und Salz zu Kräutersalz mischt. Es folgt ein Rezept für Hefeteig und die Anleitung, wie man daraus eine Brotsonne, zusammengesetzt aus einzelnen Brötchen, formt und abbackt oder, wie man verschiedene Kräuter in eine Zinkwanne einpflanzt, Kräutermuffins backt, das altbekannte Fangbecherspiel faltet oder einen Kräuterquark zubereitet.
Für den Sommer gibt es mehrere Kuchrezepte, Anleitungen für Blumenkränze ( auf dem Kopf, als Deko oder Bilderrahmen, ein Pizzarezept und eines für einen Ofenpfannkuchen und eine Anleitung, wie man ein Kissen filzen kann.
Im Herbst kann man Herbstkränze binden, ein Herbstbienchen aus einem Zapfen basteln, ein Windlicht mit Ähren dekorieren, eine Kürbissuppe kochen und im Kürbis servieren, aus Kastanien Tiere basteln oder einen kleinen Wichtelgarten aus Naturmaterialien gestalten. Es gibt Zwetschenkuchen, eine Blättercollage, geschnitzte Zierkürbisse, kleine Täschchen aus Bastelfilzplatten und das Rezept für Hirsepizza sowie eine Bastelanleitung für Minischultüten.

Für den Winter erhält man eine Anleitung für eine Himmelsleiter mit Engeln, die aus einem Stoffquadrat durch Abbinden eines Kopfes hergestellt werden. Viele von uns werden diese seit vielen Jahren als Gespenster zu Halloween kennen. Es folgen Anregungen für ein Winterpicknick und ein Rezept für Kinderpunsch, Runkelrübensirup, Maronencreme-Schichtdessert oder Nadelkissen aus Walnusshälften, selbstgemachte Teemischungen, Müslimischungen im Glas und die seit Jahrzehnten so beliebte Kekskrippe, diesesmal nicht aus Butterkeksen, sondern aus Spekulatius, auch mit Dominowürfel und Gummibärchen und zum Schluß eine Fliegenpilzdekoration aus bemalten Walnussschalen.

Im Buch finden sich noch einzelne, hier nicht erwähnte Anleitungen, die ich leider auch nicht wirklich neu fand. Meine Highlights in diesem Buch waren die aus Zapfen gebastelten Herbstbienchen und die Hirsepizza; die beiden kannte ich noch nicht. Ich bin selber Mutter und Erzieherin; vielleicht ist es deshalb schwerer, mich mit diesen Anleitungen zu begeistern, von denen ich viele allerdings auch schon in meiner Kinderzeit gebastelt oder mit Hilfe gebacken habe.

Das Buch ist schön gemacht, die Anleitungen sind verständlich erklärt und durch Fotos ergänzt und doch konnte es mich nicht wirklich begeistern.
Dennoch denke ich, dass sich dieses Buch an sehr Unerfahrene in Beschäftigungen mit Kindern richtet, die dann wohl neue Anregungen finden werden.

3/5 ***

 

äußerst interessant und gut verständlich

Reinhard Haller: Nie mehr süchtig sein – Leben in Balance

ecowin, ISBN 9783711001238


Reinhard Haller, u. a. Chefarzt einer psychiatrisch-psychotherapeutischen Klinik mit Schwerpunkt Abhängigkeitserkrankungen, analysiert, selbst für den Laien gut verständlich, wie Sucht entsteht, welche verschiedenen Abstufungen oder Erscheinungsformen es gibt und welche möglichen Wege aus der Sucht führen können. Der Autor stellt Modelle und Hypothesen zu den jeweiligen Hintergründen , z.B. genetische Veranlagung, vor, beschreibt das Verhalten der Angehörigen als Co-Abhängige und veranschaulicht die vermittelten Erkenntnisse durch zahlreiche Fallbeispiele.

Deutlich wird die Vielfalt der möglichen Süchte; ob verschiedene illegale Drogen, Rauchen, Alkohol, Spiel, Essen, Arbeit, Sport, Sex oder Medien weisen sie als Hauptmerkmale die Dosissteigerung, Entzugssyntome und den Kontrollverlust auf und erweisen sich häufig als Zeitlupenselbstmord.

Sehr gut gefällt mir die sachliche Darstellung der Problematik sowie der Suchtstoffe, die nicht generell verteufelt werden, denn die meisten Konsumenten beispielsweise von Alkohol, pflegen einen durchdachten, genießenden und ungefährlichen Umgang damit. Ohne selber betroffen zu sein, beeindruckten mich die Ausführungen und besonders die vorgestellten Wege aus der Sucht, sowohl für Süchtige als auch Angehörige, denn Haller stellt eindeutig klar, wie wichtig es für den Süchtigen ist, dass seine Sucht nicht gedeckt ist, damit er sich ihr stellen kann.

Fazit: äußerst interessantes und dabei gut verständliches Buch, darüber, wie Sucht entsteht, wie man sie erkennt und überwinden kann

 

5/5 *****

wunderbare Vielfalt an Gemüse, Informationen, Tipps und Rezepten

Elisabeth Plizka und Benjamin Schweighofer: Gartenküche

Pichler Verlag, ISBN 9783222140051


Beide Autoren sind schon seit vielen Jahren Mitglieder der Arche Noah und geben in diesem Buch sowohl Wissen über altbewährte und doch zum Teil fast vergessene Sorten als auch über Neuentdeckungen und heimische Raritäten weiter, wobei Elisabeth Plitzka den Schwerpunkt auf die Pflanzen und Arche-Noah-Koch Bejamin Schwaighofer ihn auf einfache, köstliche Rezepte legt.

Neben den Vorzügen der altbewährten Sorten erfährt der Leser auch einige Details über die Tätigkeit der Arche Noah, über engagierte Saatgutbewahrer und verschiedene Gemüsesorten in ihrer Vielfalt.
Dabei wurde dieses Buch sehr durchdacht aufgebaut: in jedem Kapitel wird eine Gemüsegruppe betrachtet, zu den einzelnen Sorten verschiedene Züchtungen in Bild und Text vorgestellt Gartentipps und Rezepte mit angegeben; so erfährt man z.B. Wissenswertes zum Vorkeimen, Auspflanzen, Saatgut selber geinnen und auch über Abstammung und Zuchterfolge bei einzelnen Arten – für mich war z.B. ganz neu, dass Wintersalate alle von der Wegwarte abstammen. Die Texte sind leicht verständlich, geben viel Wissen weiter und helfen, seine persönlichen Sorten und Arten zu finden. Zudem bietet ein Kapitel Rezepte für die Vorratskammer um Ernteüberschüsse sinnvoll zu verwerten, z.B. Sirupe, Chutneys, Engelshaarmarmelade, Fermentieren. Nebenbei und auch am Ende des Buches erhält man Tipps sowie Adressen für Bezugsquellen des Saatgutes.

Die Kapitel zu den einzelnen Gemüsesorten sind:

– Blattgemüse und Salate: Salate, Kräuter, Salatrauke, Senfkresse, Ampfer, wilde Melden, echte und falsche Spinate – z.B.

– Fruchtgemüse: Tomaten, Paprika und Chili, Kürbisse, besondere Kürbisgewächse, Dicke Bohnen und süße Erbsen

– Wurzeln und Knollen: Kartoffeln, Karotten und Pastinaken, Rote Rüben, Endivie, Zuckerhut & Co, Kohlgemüse, Alles Lauch

Für mich waren die unterschiedlichen Variationen zu einzelnen Gemüsen eine große Hilfe, so dass ich nun ganz konkrete Züchtungen für mich und meinen Garten entdecken konnte.

Die zu den einzelnen Gemüsesorten vorgestellten Rezepte finde ich allesamt sehr ansprechend; sie sind gut erklärt und können leicht nachgearbeitet werden. Ein großes Foto, eine übersichtliche Zutateneliste, Extra-Tipps und immer wieder ein Infokästchen mit weiteren Erklärungen zu einzelnen Zutaten zeichnen die Rezepte zusätzlich aus. Sehr gut gefällt mir auch, dass zu jedem Rezept in einem grünen Kästchen den verwendeten Gemüsen die Seitenzahlen zur Vorstellung und Erläuterung zugeordnet werden und man so ganz schnell an Zusatzinformationen zu den verwendeten Gemüsen gelangt.

Mit Hilfe dieses Buches lassen sich persönliche Anbaupläne erstellen, ganz egal ob für einen großen oder kleinen Garten oder einen Balkon,

Mich hat das Buch völlig begeistert, da es neben dem Beschreiben von fast verschwundenen und auch neuentdeckten Gemüsesorten, 80 darauf abgestimmte Rezepte, viele Informationen, Anleitungen und Tipps zur Aussaat, Anbau, Wintertreiberei und Winteranbau im Gewächshaus enthält.

 

5/5 *****

wunderschön und durch die Darstellung im Jahresverlauf besonders hilfreich

Daniela Dettlind: Die Wildkräuter der vier Jahreszeiten

freya Verlag, ISBN 9783990252918


 

Daniela Dettling, u.a. Kräuterpädagogin und Lehrgangsleiterin für Heilkräuterkunde, hat in diesem Buch im Verlauf des Jahreskreises monats- bzw. quartalsweise verschiede Heilkräuter samt ihrer Wirkung mitsamt verschiedener Rezepte vorgestellt. Immer wieder erzählt sie hierbei auch von alten Bräuchen, insbesondere zu den acht großen Sonnen- und Mondfesten, die sie genauso erklärt wie das Sammeln, Lagern und Verarbeiten der Kräuter.

Sehr gut gefällt mir die sehr gute Übersichtlichkeit dieses Buches, z.B. durch unterschiedlich farbige Randstreifen zu jeder Jahreszeit, so dass man den aktuellen Teil des Buches umso schneller findet. Über Heilkräuter habe ich schon mehrere Bücher gelesen und finde bei diesem gerade die Darstellung im Jahresverlauf äußerst ansprechend und hilfreich. Nachdem ich dieses Buch zunächst komplett gelesen und etliche Rezepte markiert habe, kann ich mich nun gut auf die gerade sammel- und nutzbaren Kräuter konzentrieren und im Laufe des Jahres das aktuell benötigte Wissen gezielt nachschlagen und so im Jahresverlauf immer mehr dazulernen. So präsentiert finde ich es viel einfacher, als in alphabetischer Reihenfolge. Ich bin sehr zufrieden mit diesem Buch und denke, das es nicht nur für Anfänger viel Wissen bereithält.

 

5/5 *****