gelungene Zusammenstellung von sechs nostalgischen Kurzkrimis, gelesen von sechs verschiedenen Sprechern

aga

Agatha Christie: Der verschwundene Mr. Davenheim und weitere        

                             Kriminalgeschichten mit Hercule Poirot

der Hörverlag, 3 CDs, 3:06 Stunden Laufzeit, ISBN 9783844524697


In dieser Box sind auf 3 CDs sechs Kurzkrimis vereint, jeweils von einem anderen Sprecher vorgelesen. Insgesamt mutet diese Box recht nostalgisch an, was auch dadurch betont wird, dass Lesungen von 1959 und aus den 60er Jahren enthalten sind.
Zu dieser wunderschönen Mischung gehören nicht ganz so bekannte Krimis, auf CD 1: Lasst Blumen sprechen ( Andreas Hoppe ) / Der Gürtel der Hippolyta ( Michael Schenk), auf CD 2: Vierundzwanzig Schwarzdrosseln( Friedhelm Ptok) / Poirot geht stehlen ( Martin Brambach) und auf CD 3: Der verschwundene Mr. Davenheim ( Heinz Schimmelpfennig) / Die arkadische Hirschkuh (Paul Hoffmann).

Die Zusammenstellung der einzelnen Fälle, die Verschiedenheit der Produktionsjahre und vor allem auch die Abwechslung der Sprecher hat mir sehr gut gefallen; hierbei muß ich unbedingt Martin Brambachs belgischen Akzent erwähnen und, dass für mich, nachdem ich bei Agatha Christie schon einige Male auf ein Geheimnis mit 24 Schwarzdrosseln gestoßen bin, dieses nun endlich gelüftet wurde: es handelt sich um die Umschreibung von Brombeeren, was natürlich eine Pastete mit diesem Inhalt ganz anders dastehen läßt.

Mir hat diese Krimibox ausgesprochen gut gefallen.

 

5/5 *****

Advertisements

kurzweilige Unterhaltung

der-turbo-von-marrakesch_9783837137125

Atze Schröder: Der Turbo von Marrakesch

Random House Audio, 5 CDs mit 6:14 Stunden Laufzeit, ISBN 9783837137125


Atze Schröder liest in verteilten Rollen einen skurrilen Spaßkrimi, wobei er wieder sämtliche Klischees über den Pott und seine Bewohner ausspielt, keinen Witz oder platten Spruch, selbst wenn er noch so alt ist, ausläßt und unterhält mehrere Stunden auf ganz lustige Weise.

Manchmal gab es mir da etwas zuviel der „Lendenlegenden“ und Plattes, wobei ich erwähnen muss, dass dies mein erstes Hörbuch von Atze Schröder war und ihn nur von seinen lange zurückliegenden Gastauftritten bei Bärbel Schäfer kenne. Aus Neugier habe ich dieses Hörbuch gehört, das ich ganz kurzweilig und in großen Zügen auch ganz witzig fand.

 

4/5 ****

gutes Projekt, aber leider nicht so ganz überzeugend umgesetzt

Timo Wenzel: Hand in Hand – Spitzenköche und Flüchtlinge gemeinsam am Herd

ars vivendi, ISBN 9783869137179


Die vier Herausgeber dieses Buches, die sich selber als Studierende der Hotelfachschule Heidelberg bezeichnen, erklären ihr Projekt „Hand in Hand“ so, dass sie Geflüchtete und Spitzenköche zusammengebracht hätten mit dem Ziel, die Öffentlichkeit nicht nur für die fremde Küche, sondern vor allem auch für die oft tragischen Lebensgeschichten geflüchteter Menschen zu interessieren.
In acht Kapiteln werden jeweils zu Beginn auf vier Seiten die Herkunftsländer der Flüchtlinge kurz vorgestellt: Syrien, Irak, Iran, Afghanistan, Pakistan, Nepal, Marokko, Gambia, ergänzt durch ein paar Fotos. Insgesamt 20 Flüchtlinge kommen zu Wort, berichten von ihrer Heimat, ihrem Grund zu flüchten und über ihre Flucht nach Deutschland. Beeindruckt haben mich die Schilderungen, warum sie sich häufig alleine, ohne ihre Familie, auf den Weg gemacht haben, ihre Hoffnungen und vor allen Dingen auch ihre bescheidene Art. Ganz im Gegensatz dazu empfand ich die Darstellungen der 50 Spitzenköche mit ihren zum Buch beigetragenen, von den Flüchtlingen und deren Heimat inspirierten kreierten Rezepten. Jeder Koch hat zu seinen angegebenen Karriere-Staionen auch drei Fragen zum Thema beantwortet und man merkt, dass die Spitzenköche sich persönlich mit diesem Projekt unterschiedlich intensiv auseinander gesetzt haben.
Alle Beteiligten dieses Buches haben auf ihr Honorar verzichtet und der Gewinn aus dem Buchverkauf soll der Flüchtlingshilfe zugute kommen.

Die Idee, die hinter dem Buch steht, gefällt mir sehr gut; die Darstellungen der Flüchtlingsländer sowie die Berichte und Rezepte der Flüchtlinge machen das Buch zu etwas Besonderen. Trotzdem läßt mich das Buch mit einem bitteren Beigeschmack und einigen Fragen zurück.

Sowohl der Buchtitel als auch die amazon-Beschreibung des Buches, die ich hier auszugsweise zitieren möchte ( „Sie brachten junge Flüchtlinge aus verschiedenen Ländern mit deutschen Spitzenköchen zusammen.“), haben mich annehmen lassen, dass sowohl Flüchtlinge als auch Spitzenköche zusammen = gemeinsam kochen, also „Hand in Hand“ und „gemeinsam am Herd“, wofür ich im Buch allerdings überhaupt keinen Hinweis finden konnte. Für mich sieht es so aus, als hätten die Spitzenköche für sich alleine gearbeitet und das Kochen „Hand in Hand“ fand ausschließlich in Zusammenarbeit mit der Hotelfachschule Heidelberg und den beteiligten Fachschülern statt. Auf den Fotos, die das gemeinsame Kochen zeigen, kann ich keinen Spitzenkoch entdecken.

Im Anhang lese ich unter „Danke“: „ Ganz besonders möchten wir unseren Hauptdarstellern – den Flüchtlingen – danken.“ Aber die Flüchtlinge sind doch gar nicht die Hauptdarsteller dieses Buches; von Ihnen kommen leider viel zu wenige zu Wort, nämlich nur 20 – Sterneköche jedoch 50. Die Berichte der Flüchtlinge finde ich ausgesprochen interessant, hätte gerne mehr darüber gelesen und mir auch mehr Fotos aus ihrer Heimat gewünscht, denn die, die ich im Fernsehen sehe, zeigen nur Kriegstrümmer; es wäre schön, da auch andere Eindrücke zu erhalten. Ebenfalls hätte ich mir Fotos zu den Rezepten der Flüchtlinge gewünscht, konnte aber leider kein einziges finden, das deren Gerichte zeigt. Die Fotos bei der Zubereitung, die vermitteln, wieviel Freude die Flüchtlinge dabei hatten, fand ich schön. Allerdings hat es einen bitteren Beigeschmack für mich, dass Fotos der Gerichte den Spitzenköchen vorbehalten blieben, ganzseitige und zweiseitige Fotos, oft stark vergößert, damit die zubereitete Kleinigkeit auf Schäumchen an Blüte oder Kapuzinerkresseblatt auch schön in Szene gesetzt wird. Von den Rezepten der Spitzenköche spricht mich keines wirklich so an, dass ich es nachkochen möchte; um eine Brücke zu schlagen, benötigt es meiner Meinung nach etwas mehr, als Gewürze oder Zutaten der Flüchtlings-Heimatländer in appetithäppchen kleine Genüsse zu interpretieren. Gerade eingebettet zwischen den Berichten der oft monatelangen Flucht mit starken Entbehrungen und Überlebenskämpfen, hätte ich mir eher bodenständige als „Schickimicki“-Rezepte gewünscht – auch um Brücken zu schlagen zwischen „typischen“ Küchen der einzelnen Länder.
Die Präsentation der Rezepte von Flüchtlingen und Sterneköchen hätte ich mir gerne etwas gleichberechtigter gewünscht.
Leider muß ich gestehen, dass ich mit dem Buch nicht so ganz glücklich bin, denn für mich steht die Selbst-/darstellung der Sterneküche im Mittelpunkt, die Vermittlung ihrer Karriere, Sterne und Punkte, Erwähnung bisheriger, erlesener Lokalitäten, in denen sie gearbeitet haben oder „berühmter“ Köche, bei denen sie lernen durften und auch Werbung für ihr eigenes Restaurant.

Für alle, die gerne äußerst übersichtliche Kreationen der 50 aufgeführten Sterneköche nachbereiten möchten, bietet sich hier eine wahre Fundgrube. Für mich selber lag der Schwerpunkt dieses Buches, wie bislang wohl schon erwähnt, auf der Auseinandersetzung der Situation der Flüchtlinge, auf Kennenlernen und Verstehen ihrer Heimat und Beweggründe zur Flucht und natürlich auch, ihre Lieblingsrezepte aus ihrer Familie kennezulernen. Leider finde ich den Schwerpunkt des Buches stark verschoben, wobei mir die Grundidee dieses Projektes sehr gut gefällt.

3/5 ***

wunderschön illustriert

https://i2.wp.com/www.urachhaus.de/files/images/book_product/9783825177836_7132.png

Daniela Drescher: Komm mit ins Reich der Wassernixen

Verlag Urachhaus, ISBN 9783825177836


Daniela Drescher entführt in diesem Buch in das Reich der Wassernixen und anderer traumhafter Lebewesen am und im Wasser; selbst Fische, Frösche, Molche, Schnecken, Libellen und noch vieles mehr lassen sich auf den wundervollen, wenn auch dezent, doch farbenfrohen und detailreichen doppelseitigen Bildern entdecken. Für mich stehen eindeutig diese Bilder im Mittelpunkt, in denen man suchen und entdecken kann – immer wieder aufs Neue.
Kurze Gedichte, die zwar Freude am Spielen mit der Sprache vermitteln, aber keine fortlaufende Geschichte erzählen und auch nur für ganz kleine Zuhörer genügend Inhalt bieten, begleiten durch das Buch.Insgesamt ein wunderschönes Bilderbuch, das zum Entdecken und Träumen anregt und die Schönheit der Natur ganz zauberhaft vermittelt.

5/5 *****

sehr interessant und verständlich erklärt

Trauma und Gedächtnis

Peter A. Levine: Trauma und Gedächnis

Kösel, ISBN 9783466346196


Peter Levine richtet dieses Buch hauptsächlich an TherapeutInnen, die mit Betroffenen traumatische Erinnerungen aufarbeiten, aber auch an Menschen, die selber verstehen möchten, wie ihre Erinnerungen zustande kamen, wie sie sich verändern (lassen) oder, wie man dauerhaft mit ihnen Frieden schließen kann. Demzufolge beläßt der Autor seine Ausführungen nicht einfach im Fachjargon stehen, sondern erklärt sie allgemeinverständlich, ergänzt sie durch viele Fallbeispiele aus seiner Praxis und erläutert Versuchsaufbauten sowie Forschungsergebnisse anderer.
Sehr interessant fand ich den Zusammenhang zwischen festgehaltenen Erinnerungen und der damit im Zusammenhang stehenden körperlichen Komponente wie z.B. das Verkrampfen einzelner Bereiche, Atembeschwerden oder der Körperhaltung sowie die ausführliche Darstellung der Wahrheitsfalle und Tücken falscher Erinnerungen, die, so zeit Levine ganz eindeutig auf, auch durch dem Therapeuten manipuliert werden. Ganz spannend war auchAuseinandersetzung mit der Möglichkeit, Erinnerungen zu überarbeiten, abzuschwächen und zu löschen.

Insgesamt fand ich dieses Buch höchst interessant; es bietet einen weitgefächerten Blick auf die Bearbeitung von Traumata / Erinnerungen, verhilft Vorgänge zu verstehen und damit zu arbeiten, vermittelt, dass Erinnerungen manchesmal aber auch gar nicht dem tatsächlich Erlebten, sondern z.B. durch die Fragestellung oder den Erzählungen anderer Gruppenteilnehmer beeinflußt werden.

5/5 *****

großartiges workbook

Diana Dreeßen: Durchsetzen leicht gemacht

Diana Dreessen Management Training, ISBN 9783000541797

——————————————————————

Bei „Durchsetzen leicht gemacht“ handelt es sich um das workbook zu dem Buch „Mach dich unbeliebt und glücklich“, ebenfalls von Diana Dreeßen.

Die Managementtrainerin gibt in diesem Intensivtrainer ihre schnell wirkenden, selbstentwickelten Trainingsmethoden an den Leser weiter, der nach einer Bestandsaufnahme in sieben Schritten bzw. Kapiteln zum Ziel geführt wird. Hierbei gilt es, viel über sich selber nachzudenken, sein altes Handeln, die eigene Rolle, Wertehierarchie, Ziele und mehr zu reflektieren um diese dann zu überarbeiten und neu zu definieren. Hierfür gibt es viele Fragebögen, Listen und Aufgaben (vieles davon hätte ich sonst niemals ausprobiert, z.B. die Übung verschiedene Rollen zu spielen), die hilfreich unterstützen, diesen Weg zu gehen, seine Strategie, Liebe zu sich selber, neue Pläne u.m. zu erkennen, genau zu beschreiben und vor allem in diesem Buch festzuhalten. So kann man immer wieder darauf zurückgreifen, Ergänzungen vornehmen oder aktualisieren.

Das Buch dazu ( Mach dich unbeliebt und glücklich) habe ich noch nicht gelesen; immer wieder wird auf einzelne Inhalte daraus eingegangen und auch kurz beschrieben; um mit dem workbook zu arbeiten ist es nicht zwingend notwendig, dieses gelesen zu haben. Einzelne Beschreibungen ( z.B. die Aufteilung des Arbeitszimmers mit Schubladen und Pokalen, die für Fähigkeiten u.m. sinnbildlich stehen) haben mich aber so neugierig auf dieses Buch gemacht, so dass ich es in Kürze lesen werde, auch, um diese Eigenarbeit mit diesem so gut durchdachten und hilfreichen workbook zu ergänzen. Mir ist sehr vieles klar geworden, besonders nach dem Überdenken bestimmter, erfragter Situationen und dem Erstellen meiner Wertehierarchie, mit der ich mir oft selber im Wege gestanden habe.

Für mich stellt dieses workbook eine große Hilfe um viele verschiedene Positionen sowie Verhaltensmuster zu überdenken, zu überarbeiten und neue einzuüben – und das alles im Einklang mit mir selber. Die verschiedenen Schritte sind sehr gut gegliedert, bauen prima auf einander auf und beinhalten soviele verschiedene Ansatzpunkte.

 

5/5 *****

Über das Leben eines Stillen Helden

Markus Becker und Klaus Kächler: Tom Mutters – – – Pionier – Helfer – Visionär

Daedalus, ISBN 9783891262399



Markus Becker und Klaus Kächler haben für ihre Biographie gründlich recherchiert, Tom Mutters und seine Familie häufig besucht und lange Gespräche geführt.
Sie berichten von seiner Kindheit, Kriegsjahren und vor allem seiner Tätigkeit danach, als er sieht, wie in Deutschland Menschen mit geistiger Behinderung in Heimen weggesperrt und in Betten aufbewahrt werden. Er setzt sich für Fördermaßnahmen und menschlichen Umgang ein, für die Möglichkeit, eine Schule zu besuchen und mit eigener Arbeit den Lebensunterhalt zu verdienen, dafür, die Kinder nicht mehr zu verstecken, sondern sich zu organisieren und ihre Rechte einzufordern. Nachdem er 1958 die „Lebenshilfe“ mitgründet, gibt es immer mehr Ortsvereinigungen; stets ermutigt er betroffene Eltern, in die Öffentlichkeit zu treten und für die Rechte ihrer Kinder zu kämpfen. Tom Mutters war Mitbegründer zahlreicher Lebenshilfen und Dachverbänden, der Aktion Sorgenkind und hat sein Leben lang Projekte angestoßen, in wichtigen Funktionen begleitet und weiterentwickelt – zunächst in Deutschland, nach dem Mauerfall auch in Osteuropa und vielen anderen Ländern, in denen katastrophale Zustände des Wegsperrens die Regel waren.

Außerdem kommen in diesem Buch viele Weggefährten Tom Mutters zu Wort, die ihn als bescheidenen, begeisterungsfähigen, charismatischen Strategen beschreiben, stets angetrieben, Menschen mit Behinderung eine Stimme und einen Platz in der Gesellschaft zu geben. „Wohin dieser Mann kam, da passierte etwas.“ Im Februar 2016 verstarb Tom Mutters im Alter von 99 Jahren.

Durch dieses Buch bin ich auf das Lebenswerk Tom Mutters aufmerksam geworden, der nicht nur in Deutschland die Sicht auf und die Lebensbedingungen von geistig Behinderten verändert ,die Lebenshilfe über Jahrzehnte geprägt und begleitet hat. Unermüdlich verfolgte er sein Ziel der Inklusion behinderter Menschen hartnäckig und einfühlend und brachte das auf den Weg, was sich heute in den UN-Behindertenrechtskonvetionen findet. Beeindruckt hat mich seine Zielstrebigkeit, Effezienz und persönlicher Bescheidenheit, mit der er sein ganzes Leben im Einklang mit seiner Familie für die Rechte behinderter Menschen eintrat und sich international engagierte.

5/5 *****