stellt die Biene unter vielen verschiedenen Aspekten vor

Noah Wilson-Rich u.a.: Die Biene

Haupt Verlag, ISBN 9783258078694


Dr. Noah Wilson-Rich hat dieses Buch zusammen mit drei anderen Autoren kapitelweise geschrieben und unter seinem Namen veröffentlicht.
Das Buch ist in sieben Kapitel unterteilt, wobei die ersten drei Kapitel die wissenschaftlichen Erkenntnisse über Evolution, Biologie und Verhalten der Honigbiene zusammenfassen. Danach folgen Betrachtungen über die Beziehung Mensch-Honigbiene (historisch und soziokulturell) und die Entwicklung der Imkerei. In Kapitel sechs werden 40 Bienenarten kurz vorgestellt, jeweils mit Foto und Weltkarte, in der das Vorkommen mit einer Pinnadel im farblich markierten Terrain aufgezeigt wird. Hierbei gab es leider einen Fehler auf S. 157, denn dort ist Europa eingefärbt und der pin markiert Nordamerika. Abschließend beschreibt Kapitel 7 Probleme, die Bienen bedrohen.

Insgesamt finde ich das Buch wunderschön illustriert und besonders die ersten vier Kapitel vermitteln viel Wissen über die Biene, ganz besonders den Nicht-Imkern.
Das Kapitel über die Bienenhaltung finde ich allerdings eher etwas unglücklich gewählt, denn dort wird von den Erfahrungen in den USA berichtet, die sich nicht so ganz mit den Bedingungen in Deutschland vergleichen lassen. Tatsächlich ist die Rähmchengröße „Langstroth“ in den USA verbreitet; die Rähmchen, die größtenteils in Deutschland genutzt werden ( DNM oder Zander) finden überhaupt keine Erwähnung. Das kleine Unterkapitel „Rechtliches“ bezieht sich auch auf die USA; jemand, der sich über Imkerei in Deutschland informieren möchte wird leider falsch beraten sein. Das selbe Problem bei der Schädlingsbekämpfung, bei der in den USA offensichtlich mit Einsatz von Insektiziden, Versprühen von ätherischen Ölen, Ölfallen und flachen Schalen mit Mineralöl in der Beute ganz andere Wege beschritten werden als bei uns. Die Maßnahme bei Faulbrut einfach die Beute auszuräuchern und sie dann weiterzubenutzen ist bei uns nicht zulässig. Immer wieder Hinweise mit „In Ländern, in denen es zugelassen ist, kann man XXX anwenden“; ich bin ganz glücklich, dass vieles davon bei uns nicht zugelassen ist. In diesem Kapitel habe ich so viel gefunden, was ich für den deutschen Leser absolut unpassend fand; das hätte man vielleicht besser weggelassen.
Die Vorstellung der 40 Bienenarten fand ich sehr interessant, auch das Kapitel über Probleme, die Bienen bedrohen, wobei sich hier auch wieder einiges „eingeschlichen“ hat, das nur in den USA Gültigkeit hat, z.B. CCD.

Fazit: Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen; es stellt die Biene unter vielen verschiedenen Aspekten vor, vermittelt leicht und kurz verfasstes Wissen. Wer bereits andere Bücher über Bienen gelesen hat, findet hier nicht ganz so viel Neues und wer sich über Imkerei informieren möchte, sollte sich im Klaren sein, dass er in dem entsprechenden Kapitel „Bienenhaltung“ nicht gut beraten wird.

 

4/5 ****

guter workshop, für den man aber Grundkenntnisse im Schnitzen benötigt

Harald Enlow: Der kleine Schnitz-Workshop: Figuren + Gesichter

Landwirtschaftsvlg Münster, ISBN 9783784354088


Harald Enlow schnitzt schon lange, gibt seit vielen Jahren Kurse um das Schnitzen zu erlernen. Nun hat er dieses Buch herausgegeben: den ‚kleinen Schnitzworkshop‘ für Figuren und Gesichter, wobei Herr Enlow es liebt, die Gesichter zu karikieren.

Zunächst gibt es eine kleine Einführung in die Besonderheit seiner Figuren und er gibt Tipps, z.B. dass das Werkzeug scharf sein sollte und man mehr verkauft, wenn man lächelt.

Es folgt eine kurze Einleitung und dann geht es los: Sehr detailreich wird erläutert, wie die einzelnen Teile des Gesichtes wirken und geschnitzt werden, was Schritt-für-Schrittmit Text und Foto erklärt wird. Beginnend mit dem Auge ( einfaches offenes Auge, verschlafenes oder betrunkenes Auge, wütendes Auge) und dem Tipp, dass die Augenbrauen über die Stimmung entscheiden geht es in der nächsten Lektion zu den Lippen ( weibliche Lippen, Lippen mit Schnauzbart und zornige Lippen). Es folgen einfaches und lockiges Haar, spitze, breite und Knollennase sowie Ohren.

Im zweiten Kapitel werden nun diese vorher genau erklärten Elemente zu kompletten Gesichtern zusammengefügt und man erhält, ebenfalls schrittweise mit Text und jeweiligem Foto sowie zwei Skizzen ( von vorne und im Profil) Anleitungen zu einem weiblichen Gesicht, einem Cowboy, einem Indianerhäuptling, einem Weihnachtsmann, einer Hexe, einem häßlichem Gesicht und einem Waldgeist.

Sehr gut gefallen hat mir die Erklärung, dass man ganz viel üben muß – hier spricht mir der Autor aus der Seele, denn mich haben die Anleitungen völlig überfordert. Leider hatte ich beim Lesen von ‚kleine Schnitz Workshop‘ und ‚Grundtechniken‘ die Vorstellung, dass das Buch sich an Anfänger wie mich richtet. Ich kenne weder das benötigte Werkzeug noch Grundtechniken des Schnitzens, die zu meinem Leidwesen nicht im Buch erklärt wurden. Bei Handarbeitsbüchern kenne ich das so, dass die Grundkenntnisse immer auf den ersten paar Seiten erklärt werden, für alle Fälle. Jeder, der diesbezüglich mehr Ahnung hat, wird diese grundlegende Wissensvermittlung nicht vermissen und erhält einen dann gut nachvollziehbaren Schnitzkurs in Schritt-für-Schritt-Anleitungen, die wirklich sehr detailiert und mit vielen Fotos versehen, nachzuarbeiten sind. Herr Enlow legt gar keinen Wert auf exaktes Kopieren, ermutigt, seinen eigenen Kopf zu gestalten und hilft dabei mit vielen Tipps.

Fazit: guter workshop, für den man aber Grundkenntnisse im Schnitzen benötigt.

4/5 ****

Bunte gute Laune – – viva la vida!

Elke Clörs: Happy Hippie Cooking

systemed verlag, ISBN 9783958140257


Bei ‚Happy Hippie Cooking‘ handelt es sich nicht um ein Kochbuch im üblichen Sinne; Elke Clörs zeigt dem Leser eine ganz andere Facette der Insel und nimmt ihn mit auf eine Reise, fernab der touristischen Pfade, in fast vergessene Hippietage. Sie besucht Bekannte, Freunde und Geschäftspartner, die sich und ihr außergewöhnliches zu Hause vorstellen und jeder ein paar Rezepte zu diesem Buch beisteuert. Allen ist gemeinsam, dass sie vor Jahren auf die Insel kamen und sich im Flair von Hippies, Bohemians und Aussteigern so wohl fühlten, dass sie blieben.

Die gut 70 Rezepte sind alle leicht nachzukochen bzw. als Inspiration zu nutzen ( wer kann hier schon in seinen Garten gehen und frische Zitronen ernten?). Es geht um die frischen Zutaten, die einfache Zubereiteung, um das Genießen und kreativ sein. Von Bratkartoffeln über Kalte-Rote-Beete-Suppe, Frühlingsrollen aus Reispapierblättern und Nudeln mit verschiedenen Saucen, Aufläufen, Brotaufstrichen und Dips geht es zu Jacobsmuscheln, Fischsuppe, Salaten u.m. .

Wie schon erwähnt, hier ist mehr der Weg das Ziel: Das Buch ist wundervoll illustriert; sehr viele Fotos und die buten Rahmen der Textseiten lassen das ganze Buch so bunt und lockerleicht erscheinen. Als Leser erinnert man sich möglicherweise an seine Hippiezeit oder das bißchen, das man damals mitbekommen hat :o), auf alle Fälle weckt es dieses Hippie-Gefühl der Lebensfreude und Leichtigkeit beim Lesen. Die vorgestellten Personen wirken alle sehr sympatisch; es scheint, als wäre die Zeit auf Ibiza stehengeblieben….

Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen; es zaubert nicht nur an trüben Tagen etwas Sonnenschein und Farbe in das Leben des Lesers und vermittelt das Gefühl, das Leben doch mehr zu genießen und etwas lockerer zu werden ‚ so wie früher….. Mein einziger Kritikpunkt an diesem Buch besteht darin, dass mir die Werbung für die einzelnen Schmuck- und Bekleidungsstände der Freunde, Geschäftspartner, Zulieferer und auch des familieneigenen Internet-/Shops inkl. Zulieferern ein wenig zu viel wurde; das hätte mir etwas dezenter ausgereicht.

Fazit: Ein wunderschön gestaltetes, buntes Bilder- und Lesebuch, das alleine beim Durchblättern gute Laune zaubert.

5/5 *****

Bloss keine Überforderung – Das Wichtigste ist der Spass beim Laufen….

Prof. Dr. Ingo Froböse: Volkslaufbuch  – Gesünder, schlanker, besser drauf

südwest-Verlag, ISBN 9783517094731


Der Titel verrät es schon: Das Volkslaufbuch richtet sich an die breite Masse, stellt nicht eine Vorbereitung auf einen Marathon in den Mittelpunkt, sondern das ‚Laufen ohne zu schnaufen‘. Gerade dieses eher ’sanfte‘ Laufen, bei dem sich 80-90% des Lauftrainings wie Unterforderung anfühlen soll, spricht mich besonders an, genau, wie die Aussage, dass man einfach loslaufen soll,weil es keinen falschen Laufstil gibt.

Nach einer guten Einführung in das Laufen und seiner Wirkung, der Erklärung des nötigen Equipments, gibt es einen Selbsttest, genügend Übungen, z.B. zum Dehnen und zum Schluß Wissenswertes über Regenaration und Ernährung, Lösungen für den Winter.
Gerade den Untrainierten macht Prof. Froböse das Laufen tatsächlich sehr schmackhaft; sogar für stark Übergewichtige hat er machbare Konzepte entwickelt, die auf dem ‚Trotten‘ basieren.
Je nach Fitnessgrad enthält das Buch Trainingspläne, die aufeinander aufbauen.

Insgesamt finde ich das Buch sehr durchdacht und stark motivierend ‚ eine große Hilfe für Einsteiger und auch für bereits lauferfahrenere Freizeitläufer.

5/5 *****

offene Worte, in denen man sich selber wiederfindet

Ann Helena Neudek: Kinderseelenallein – Die Narben meiner Kindheit und wie ich ins Leben zurückfand

Patmos Verlag, ISBN 9783843607285


Ann Helena Neudek beschreibt Erlebnisse ihrer Kindheit, daraus resultierende Selbstzweifel und Unsicherheiten; dabei scheint sie für Außenstehende doch in einer wohlhabenden Bilderbuchfamilie großgeworden zu sein. Genau das, was sie beschreibt, werden wahrscheinlich die meisten Nachkommen der Kriegsgeneration erlebt haben: Eltern, die nicht fähig waren, Gefühle, besonders Liebe, zu zeigen, die streng waren, hohe Ansprüche an ihre Kinder hatten und oft ihre Wut und Unfähigkeit an ihren Kindern abreagiert haben, durch Prügel, Verachtung und seelische Grausamkeiten.
Beim Lesen wird man nicht umhinkommen, sich selber immer wieder wiederzuerkennen; manchmal ist es schmerzhaft, aber doch befreiend ‚ und es tut so gut, dass dieses Thema nicht mehr tabuisiert wird, dass langsam deutlich wird, wie gesellschaftsfähig diese Erziehung damals war und wieviele Betroffene es gibt. Das, was diese Erziehung so sehr ausmachte, schreibt die Autorin so treffend in einem Satz: ‚ Es war so unsagbar viel einfacher, etwas falsch zu machen als nur das Geringste richtig.‘ ‚ Es gab nie eine Sicherheit, keine Ruhe.‘ Es verwundert nicht, mit wieviel innerem Zwiespalt diese Kinder weiterleben, ständig auf der Suche nach irgendwas und, dass dieser Zwiespalt auch depressive Stimmungen mit sich zieht.
In diesem Buch geht es nicht um Schuldzuweisungen; ganz klar wird festgestellt, dass unsere Eltern eben auch verletzte Kinderseelen hatten und sich viele nicht anders zu helfen wußten, als das selbst Erlebte weiterzugeben. Eine vorgestellte Möglichkeit, als Opfer besser damit umzugehen besteht darin, zu vergeben ohne zu vergessen.
In vielem habe auch ich mich wiedererkennen und manches in neuem Zusammenhang sehen können. Besonders gut hat mir die offene, ehrliche Schreibweise gefallen, auch die Gedanken und Gedichte.

Ann Helena Neudek hat ein wundervolles Buch geschrieben, das anderen nicht nur erklärt sondern auch den Selberbetroffenen hilft zu sehen, zu verstehen und zu verarbeiten, was erlebt wurde und wie man in seinem Leben damit umgeht oder es (nicht) weitergibt.

5/5 *****

sehr interessant und spannend zu lesen

Peter Pomerantsev: Nichts ist wahr und alles ist möglich

DVA, ISBN 9783421046994


Der russischstämmige Peter Pomerantsev lebt wieder in England, hat gut 9 Jahre in Russland als TV-Produzent beim Sender TNT gearbeitet, von dem er sagt, dass dieser vom größten Gasunternehmen der Welt gesponsert wird. Bei den Serien, der er für TNT drehte, hatte er die Vorgabe, immer das Positive in den Mittelpunkt zu stellen, egal, worüber er berichtet: über Akademien, die Golddigger schulen oder einen Gangster, der sein Leben verfilmt und richtigstellt, dass die Gangster die Stadt zusammenhalten und für Ordnung sorgen… Im Buch geht es um Steuerfahndung, Schmiergelder, den Anschlag der Schwarzen Witwen auf ein Moskauer Theater, Gesetzesänderungen über Nacht und Verhaftungen deshalb, über Models, die sich umbrachten und Sekten mit hoher Suizidrate und die Neuen Reichen in London und international.

Immer wieder wird deutlich, Fernsehen, Bestechung und Propaganda in Russland funktioniert: Alles ist PR und nur die Inszenierung zählt; hauptsache „die russische Sicht“ der Dinge wird wie gewollt vermittelt.

Die erzählten Geschichten fand ich sehr beeindruckend, ob die der „verlorenen Mädchen“ oder die Rolle der Medien an sich mit ihren ausufernden Iszenierungen. Auch so offene Worte wie „Russen haben mehr Worte für „Bestechung“ als Eskimos für „Schnee.“ oder die Darstellung der Zerrissenheit, dem Unterschied zwischen öffentlichem und privatem Leben der Bevölkerung waren sehr interessant.

5/5*****

einfach lecker und abwechslungsreich

Roland Rauter: einfach vegan – genussvoll durch den Tag

Schirner Verlag, ISBN 9783843410557


Roland Rauter, gelernter Koch und seit vielen Jahren Veganer, beginnt dieses Buch mit einer kurzen Einführung in die vegane Küche sowie verschiedenen Basisprodukten und Einkaufstipps. Für ihn muß Kochen Spaß bereiten; der Leser wird aufgefordert nachzukochen, zu experimentieren und die Rezepte nach eigenem Geschmack zu verändern, seinen eigenen Weg zu finden und nicht allzu rezeptetreu zu bleiben.

Der Autor lernte in seinen Wanderjahren als Kochgeselle viele Küchen im In- und Ausland kennen.
Genau das merkt man auch in diesem Buch, denn die äußerst abwechslungsreichen Gerichte für Frühstück, Vor- und Hauptspeisen sowie Desserts sind inspiriert duch viele Länder der Welt; von scones über österreichische Spezialitäten, vietnamesischen Frühlingsrollen oder Dinkel-Löwenzahn-Cannelloni zu „Rote Bete im Backteig auf koreanischem Gurkensalat mit Wasabi-Mayonnaise“, Soja-Reis-Pfanne „Ungarische Art“, „Madras-Curry mit Koriander-Chili-Naan“ bis zu Brotaufstrichen und Desserts wie „Apfel-Kokos-Auflauf“, Germknödeln oder orientalischem Milchreis finden sich vielfältige Rezepte, die gut erklärt werden und gut nachzukochen sind, jeweils mit einem schönen Foto des fertigen Gerichtes. Besonders ansprechend finde ich, dass meistens auf Ersatzprodukte verzichtet wird und zum Ende des Buches Basisrezepte zu finden sind, u.a. für Gemüsebrühe, Sauce Hollandaise, Braune Grundsauce, Gratiniersauce; einzig die Inhaltsangabe finde ich etwas unübersichtlich.

Wir haben einige Rezepte nachgekocht; alles hat sehr gut geschmeckt und so stecken zwangsläufig noch viele Lesezeichen im Buch, die markieren, welche der 100 Rezepte wir noch ausprobieren werden. Insgesamt finde ich das Buch rundum gelungen und ich kann es nur weiterempfehlen.

5/5 *****