How to be irish? – Beobachtete Kuriositäten und Mythen

How To Be Irish: Ein Anthropologe packt aus

Im Vorwort gibt es den wichstigen Hinweis zum Buch: Es handelt sich um eine volkskundliche Anleitung, in der Kuriositäten im Verhalten bloßgelegt werden.

In zehn Kapiteln plaudert also der Anthropologe David Slattery über Beerdigungen, Kneipenbesuch, Zuwanderer, Hochzeit, Gesundheit, Berufsleben, Bauen, Weihnachten, Politik und Cool sein, wobei er peinlichst darauf achtet, keine Statistik zu Rate gezogen zu haben, sondern witzig gewollte Kuriositäten erzählt ‚ manchmal wirkt es eben auch nur gewollt witzig…

Eigentlich hatte ich ein Sachbuch erwartet, aber es stimmt schon, in einem einzigen Buch wird man das Irishsein nicht definieren können und in mehreren wohl auch nicht. Das ganze Buch hat mich in meiner Sicht über Vorurteile nur weiter bestätigt: Typisch irish gibt es genauso wenig wie typisch deutsch oder typisch ….
Die meisten Begebenheiten hätten genauso bei uns stattfinden können und über das Irishsein habe ich eigentlich nicht wirklich etwas dazu gelernt, hätte mich aber über ein paar Fakten schon gefreut.

Fazit:
Wie werde ich zum waschechten Iren? Nicht mit diesem Buch ‚ aber Sie werden sich amüsieren und Bekannte wiedererkennen.
Da ‚How to be Irish‘ als Sachbuch angekündigt wurde, bin ich troz lustiger Episoden eher etwas enttäuscht vom Inhalt. Wäre das Buch unter der Rubrik ‚Comedy‘ angepriesen worden, wäre es mir 4 Sterne Wert, als Sachbuch leider nur 3 Sterne.

 

3/5 ***

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aussergewöhnlich gut: spannend bis zum Schluß und in sich schlüssig

Kaninchenherz: Kriminalroman (Ein Gesine-Cordes-Krimi, Band 1)

Gesine Cordes, seit Jahren Friedhofsgärnerin, bemerkt, als sie die Kränze für die heutige Beerdigung verräumt und Zwillinge in der Trauergemeinde sieht, dass es sich um die Beerdigung ihrer Schwester handelt. Zu dieser, wie zu ihrer ganzen Familie, hatte Gesine vor 10 Jahren den Kontakt abgebrochen; Grund war der Tod ihres Sohnes, für den sie ihre Schwester verantwortlich machte. Damals war Gesine Kriminalkommissarin, konnte ihr damaliges Leben nicht weiterführen, wohnt seitdem in einem Wohnwagen und arbeitet auf dem Friedhof um dem Grab ihres Sohnes nahe zu sein, ohne im stande zu sein, es aufzusuchen.

Nun erfährt Gesine von ihrem Schwager, dass ihre Schwester in der Nacht ihres Hochzeitstages zu den Bahngleisen ging und dort ums Leben kam. War es ein Unfall oder Selbstmord? Hat es mit den Ereignissen vor 10 Jahren zu tun? Immer tiefer gerät Gesine in die Ermittlungen, viele Spuren führen zu ihr und vieles aus der Vergangenheit scheint noch ungeklärt zu sein. Gesine ermittelt, begibt sich selber in Lebensgefahr…..

Der Krimi wird in verschiedenen Handlungsstängen erzählt, heue und Ereignisse vor 10 Jahren. Langsam setzt sich das Bild zusammen und alles erscheint in sich schlüssig und nachvollziehbar. Für mich war das Buch spannend bis zum Schluß, denn ich hatte drei Verdächtige, die ich je weiter der Krimi fortschritt bis auf einen, ziemlich zum Schluß, ausschliessen konnte. Sehr gut gefallen hat mir, dass stückchenweise erzählt und enttarnt wurde, so konnte ich bis zum Ende mitfiebern und – ermitteln. Die Idee, immer wieder Steckbriefe von eher alltäglichen aber sehr giftigen Gartenpflanzen mit Wirkung und Gegenmitteln dazustellen, fand ich toll: diese Seiten lockerten den Krimi auf, hatte immer Bezug zum Text und ich habe einiges gelernt.

Dieser Krimi wurde als Debütkrimi angekündigt; ich konnte es gar nicht fassen, dass dieser unglaublich gute Krimi ein Erstlingswerk sein sol und habe nachgelesen, dass Annette Wieners bereits Drehbücher für ARD, ZDF und WDR geschrieben hat, als Autorin und Journalistin arbeitet.

Kaninchenherz ist also ihr Krimidebüt und der erste Teil einer Serie, was für ein Glück! Ich freue mich schon riesig auf den nächsten Fall, denn dieser hier war außergewöhnlich gut und erhält meine absolute Leseempfehlung.

 

5/5 *****

seichter Regionalkrimi

Halbe Miete: Ein Fall für Lilo Gondorf

Lilo Gondorf, früher Polizistin, vermietet nun im kleinen Ort Groß Zicker auf Rügen zwei Ferienbungalows. Als einer ihrer Gäste vor seiner blinden Frau entführt wird, muß Lilo auf eigene Faust ermitteln, manchmal mit Hilfe ihres Nachbarn Oskar und oft gegen den Rat ihrer Tochter Verena, die als Kripobeamte aus Stralsund diesen Fall bearbeitet.

Das Buch ist sehr liebevoll gestaltet: schönes Cover, eine Karte von Rügen, Lebenslauf von und Inteview mit Lilo – und doch konnte Lilo mich nicht so sehr begeistern wie Oskar. Auch die Beschreibungen Rügens gefielen mir sehr gut. Etliche Gedankengänge Lilos fand ich eher skurril und ihr Vorgehen nicht immer nachvollziehbar. Manches Mal hatte ich den Eindruck, ihr Schwerpunkt läge mehr auf Garten- und Putzarbeit. Oskar, immer charmant und einsatzbereit kam mir wesentlich pfiffiger vor und war für mich auch der eigentliche Sympathieträger. Eigentlich, so finde ich, hat Oskar ja den entscheidenden Hinweis geliefert: er identifizierte den Angler, den Lilo überhaupt nicht kannte und brachte damit die Ermittlungen in die richtige Richtung. Lilos Hinweis, der ihr so spontan einfiel, fand ich schon eher aus dem Hut gezaubert. Wäre schön gewesen, als Leser den Hinweis auch vorher zu kennen um mitermitteln zu können. So fand ich schade, dass vieles erst in der Erklärung nach der Auflösung präsentiert wurde, und leider fand ich die Erklärungen auch nicht alle ganz schlüssig, sondern eher etwas konstruiert. Die Grundidee der Verbrechen sowie die Einflechtung der Themen „Schrottimmobilien“ und „gekaufte Steuer CD aus der Schweiz“ fand ich gelungen, hätte mir aber dafür mehr Raum gewünscht und die Möglichkeit eigener Ermittlungsarbeit.

Da es sich bei „Halbe Miete“ um ein Debüt handelt, denke ich, dass Lilo sich noch zurecht finden mußte und sich sicherlich weiterentwickeln wird. Auf Lilos nächsten Fall bin ich schon gespannt….

Fazit: Schöne Landschaftsbeschreibungen, Hintergrund der Verbrechen sehr interessant aufgearbeitet, die Ermittlungen waren für mich nicht unbedingt schlüssig und die Personen etwas schwach dargestellt. Als leichte Urlaubslektüre sehr schön und zügig zu lesen, aber nicht wirklich ein fesselnder Krimi mit Nervenkitzel.

 

3/5 ***

ganz anders als erwartet

STRAFE: Roman

Der bislang erfolgreiche Autor Max Schmeling erhält einen Brief von seinem ehemaligen Schulkameraden Tibor Schittkowski, den er seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen hat, der ihm damals zweimal das Leben gerettet hat und ihn nun im Gegenzug um einen Gefallen bittet. Max fühlt sich dem totkranken Tibor verpflichtet und versucht ihm zu helfen….

Die Geschichte wird aus unterschiedlichen Blickwinkeln und Zeiten erzählt und setzt sich langsam zusammen, bis sich am Ende doch alles ganz anders auflöst, als erwartet.

Zeitweilig fand ich die Erzählung schon etwas zäh und unspektakulär. Als dann auf dem Seitenumsprung ( S. 253 / 254) zu lesen war: „ Wenn ich bis Seite fünfzig gekommen bin und es bis dahin immer noch nicht mein Interesse geweckt hat, lege ich es wieder weg. So mache ich es immer.“ , schoß mir durch den Kopf, ob ich diesen Rat nun auch auf S. 254 noch beherzigen sollte.
Da aber nur noch 29 Seiten folgten, wollte ich das Ende aber doch wissen und habe durchgehalten. Zum Glück, denn, wie schon oben erwähnt, löst sich alles auf, ganz anders als erwartet und plötzlich – aber erst im Nachhinein – gefällt mir die Erzählung doch ganz gut.

Trotz allem muß ich gestehen, ich hatte etwas mehr erwartet; gerade diese ominöse Umschreibung „ deutsche Publizistin wagt nur unter Pseudonym zu veröffentlichen“ hat mich auf einen wirklichen, aufgedeckten Skandal warten lassen. Nach Lesen des Buches finde ich es nun überhaupt nicht mehr interessant, zu wissen ob es tatsächlich eine reale Vorlage gab oder wer gemeint sein könnte.

Fazit: Zum Teil etwas langatmig, aber wenn man durchhält, gibt es ein gut durchdachtes und unerwartetes Ende und die Erkenntnis, den Autoren ebenfalls auf den Leim gegangen zu sein….

 

4/5 ****

fesselnde Spannung, beeindruckend erzählt

Das Mädchen, das rückwärts ging

Die alleinerziehende Beth lebt mit ihrer Tochter Carmel im englischen Norfolk. Carmel, acht Jahre alt, besonders sensibel und reifer als andere in ihrem Alter, besonders empathisch aber genauso auch verträumt und abwesend, fühlt sich von ihrer Mutter manches Mal zu sehr gegängelt und „überwacht“. Carmel empfindet Beth des öfteren als Angsthasen und stellt für sich schon früh fest: „ Ich weiß, dass wir und früher oder später wiederfinden, auch wenn ich sie verliere.“

Beth hingegen hat große Angst, Carmel zu verlieren und auf einem Geschichtenfestival passiert es dann: Im dichten Nebel und Menschengedränge flüchtet Carmel unter den Tisch einer Buchausstellung und geht verloren…

Beth macht sich große Vorwürfe, hört nie auf, nach Carmel zu suchen. Oft begegnen sie sich im Traum; nie scheint die Verbindung zwischen beiden wirklich abzureißen. Beide fühlen sich immer wieder mit einander verbunden, halten Rituale ein und klammern sich an einzelne Gegenstände um diese Verbindung zu halten und nicht zu vergessen…. und nebenbei müssen beide ihr Leben neu organisieren…

Mein Eindruck:

Kate Hamer hat diesen Albtraumgrandios erzählt, sehr intensiv, emotional und stets sehr gut nachempfindbar. Mit den Kapiteln wechseln die beiden Erzählstränge; sowohl Carmels als auch Beth‘ Geschichte wird detailliert dargstellt und man kann beide Positionen sehr gut nachempfinden.

Besonders beeindruckend fand ich die Verbindung von Mutter und Tochter dargestellt, ihre Verbindung zu einander und wie ähnlich sie sich doch in ihrem Inneren sind und nahestehen.

Über das Ende streiten sich wohl die Leser… Ich gehöre zu denen, die es perfekt fanden, denn so kann man noch selber ein bißchen mitdenken und sich Details dazu selber ausmalen – und das könnte wahrscheinlich ein neues Buch füllen. Für dieses perfekte Ende wüde ich, wenn ich könnte, gerne einen Extra-Stern vergeben.

Insgesamt fand ich den Roman bis zum Schluß sehr spannend und gefühlvoll erzählt; ein tolles und beeindruckendes Buch, das ich uneingeschränkt weiterempfehle.

 

5/5 *****

Eine starke Frau erkämpft sich ihren amerikanischen Traum

Die Königin der Orchard Street: Roman

Malka flüchtet 1913 mit ihrer Familie aus Rußland, über Hamburg, nach New York. Die Familie träumt vom Land, in dem der Reichtum für alle möglich sein soll. Doch Armut, Not und auch verschiedene Weltsicht sorgt dafür, dass die Familie auseinanderbricht. Jedes Familienmitglied lebt sein Leben…

Maika, nicht unbedingt hübsch und nach einem Unfall als Kind gehbehindert, die später Lilian heißt, kämpft ihr Leben lang, oft mit harten Bandagen. Nie wieder will sie arm sein und Hunger haben und ihr Weg kann nur der nach oben sein. Manchmal wären ihre Mittel nicht unbedingt meine erste Wahl , aber verstehen kann ich sie schon. Wäre es ein Mann, würden die meisten es wahrscheinlich anders bewerten, aber bei einer Frau werden schon strengere Massstäbe angesetzt, leider. Und wenn man ihre Kindheit, ihre Entbehrungen und Kämpfe von Kindesbeinen an mit einbezieht, finde ich ihr ganzes Vorgehen schon sehr schlüssig, der Zeit angepaßt oder, eigentlich war sie ihrer Zeit weit voraus.
Dass Lilian ständig Selbstzweifel, Schuldgefühle und Sehnsucht nach der Liebe ihres Vaters einholen zeigen mir, dass sie eigentlich eine ganz verletzliche Person ist, die es ihren nahestehenden Personen Recht machen möchte. Wenn sie schon nicht für ihr Aussehen geliebt wird, vielleicht für ihre aussergewöhnlichen Leistungen? Besonders bei ihrem Vater scheint mir diese emotionale Abhängigkeit “ des kleinen Mädchens“ ein sehr wichtiger Aspekt ihres Lebens zu sein …

Lange Zeit hält sie sich zusammen mit ihrem Mann Bert ganz oben, baut mit ihm zusammen ein Imperium auf; sie ist die „Eiskönigin Amerikas“, bis sie zu selbstgefällig wird und über eigene Fehler stolpert…

Im Buch geht es nicht nur um Lilians Lebensgeschichte, sondern man erfährt auch vieles über die jüngere Geschichte der USA und über Marketing.

Fazit: Insgesamt ein sehr spannendes und interessantes Buch, vielschichtig erzählt, mit Liebe zum Detail.

 

5/5 *****

Lebensweg und Weltsicht eines Massenmörders

Still Chronik eines Mörders

Still – Chronik eines Mörders von Thomas Raab beschreibt das Leben Karl Heidemanns, beginnend mit dem Leben seiner Eltern, seiner eigenen Schwangerschft und Geburt am 6.12.1982 bis hin zu seinem Tod.

Karls Eltern leben in einem kleinen Ort namens Jettenbrunn, sind dort schon vor Karls Geburt eher Außenseiter. Sein Vater Johann, einfach gestrickt und still ( Nutztier aller erster Güte für die Einwohner Jettenbrunns) und seine Mutter Charlotte ( lieb und freundlich, aber für das Dorf eine akustische Plage, die schmerzhaft mit Ausdauer redete, als liefen ihr Zeit und Zuhörer davon) freuen sich unendlich über die Schwangerschaft und auf ihr Kind. Nach der Geburt wird es noch einsamer um die Familie Heidemann, den Karl läßt sich troz aller verzweifelter Versuche Charlottes kaum beruhigen und wird als Schreikind abgestempelt. Ruhe und Frieden findet er bei den stillen Spaziergängen mit seinem Vater, beim Baden… und, nachdem sein Vater als Ursache des Ganzes Karls übersensibles Gehör ausmacht, baut er ihm in bester Gesinnung den Keller als Wohnraum um. Karl genießt die Stille, wächst heran, erhält im Keller Privatunterricht und gilt als sehr intelligent. Über Jahre hört er die Gespräche, Gedanken, und kleinsten Geräusche des Ortes und kennt die Sehnsüchte der einzelnen Einwohner. Nie ist er Bösem ausgesetzt und fremd sind ihm selber auch böse Absichten.

Als Neunjähriger erlebt er, wie seine betrunkene und depressive Mutter sich im Dorfweiher ertränkt und ihr Gesicht nach ihrer Bergung so entspannt und glücklich aussieht, wie er sie noch nie erlebt hat. Für ihn steht fest: Etwas Großartiges, Befreiendes, Verzauberndes und Beglückendes muß im Augenblick des Todes stattfinden. Der Tod ist das größtmögliche Geschenk an das Leben.

Mit dieser Erkenntnis setzt er sich zeitlebens auseinander, will als „Todesengel“ eigentlich nur Frieden und Glück verbreiten und „schenkt“ vielen diesen Frieden…. bis er einen Schatz findet, der alles verändert….

Das Buch ist in drei große Abschnitte unterteilt: Glaube, Liebe, Hoffnung undes gibt einige Gedichte, die passend eingefügt wurden. Unglaublich einfühlsam wird Karl beschrieben; man kann seine Lebensumstände und Entwicklung sehr gut nachvollziehen. Besonders interessant und beeindruckend fand ich, wie Karl Gesagtes, ganz anders als erwartet, versteht und verinnerlicht, mit einer kindlichen und reinen Treue glaubt und wortwörtlich nimmt, seine Logik und Weltsicht ganz schlüssig darauf basiert. Es fällt schwer, ihn als „Monster“ zu sehen, eher ist er Sympathieträger, dem man Mitgefühl entgegenbringt. Besonders nachdenklich stimmt es, als Karls Lebensumstände sich für eine Zeit derart verändert haben, dass sein Geschenk wohlwollend entgegengenommen und auch gewünscht wird….

Nicht nur inhaltlich fesselnd und zutiefst beeindruckend, sondern auch sprachlich bild- und wortgewaltig, manchmal poetisch, zieht das Buch den Leser in seinen Bann. Ich konnte es kaum aus der Hand legen, so fesselnd war es, Karls Lebensgeschichte zu lesen, die doch an vielen Stellen Moral und Weltsicht auf den Kopf stellt und zum Nachdenken anregt. Ein einzigartiges Buch, dass auch noch nach dem Lesen weiterwirkt….

Eines der besten Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe, vielleicht sogar das Beste.